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Zeit für Forschung

Das „Berta-Ottenstein-Programm für Clinician Scientists“ erleichtert es, die klinische und die wissenschaftliche Karriere parallel voranzubringen.

Vor einem Jahr hat die Medizinische Fakultät in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Freiburg das „Berta-Ottenstein-Programm für Clinician Scientists“ gestartet. Es fördert angehende Medizinerinnen und Mediziner, die sich für eine Laufbahn als Clinician Scientist entschieden haben. Diese forschenden Ärztinnen und Ärzte streben parallel zur klinischen auch eine wissenschaftliche Karriere an.


    Gutes Team: Petya Apostolova und ihr Mentor Robert Zeiser             Foto: Patrick Seeger

Der Weg zum Clinician Scientist ist steinig: In der Regel findet die wissenschaftliche Ausbildung neben der Facharztweiterbildung statt. So fehlt es jungen Ärzten oft an der nötigen Zeit, die eigene Forschung voranzutreiben. Seit 2016 jedoch bietet das dreijährige Berta-Ottenstein-Programm die Möglichkeit, die Karriere als Clinician Scientist optimal zu starten. Prof. Dr. Robert Thimme, gemeinsam mit Prof. Dr. Leena Bruckner-Tuderman Sprecher des Programms, berichtet: „Zurzeit fördern wir 14 junge Ärztinnen und Ärzte. Wir sehen, dass es funktioniert: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind mit Begeisterung dabei und nutzen die Chance, sich in der Forschung zu etablieren.“

Ein Team für jeden Teilnehmer

Die angehenden Clinician Scientists haben ihre Promotion abgeschlossen und befinden sich entweder vor oder nach der so genannten Postdoc-Phase, die sie in einem Forschungslabor verbringen. Sie alle sind bestens betreut: Jeder Teilnehmer bekommt ein individuelles Team zugeteilt, bestehend aus einem wissenschaftlichen sowie einem klinisch tätigen Mentor, dem ärztlichen Direktor der jeweiligen Klinik sowie Vertretern des Berta-Ottenstein- und des begleitenden Qualifizierungsprogramms. „Gerade in der Zeit nach der Rückkehr aus der Postdoc-Phase in den Klinikalltag besteht die Gefahr, die erlernten wissenschaftlichen Fähigkeiten wieder zu verlieren“, sagt Prof. Dr. Robert Zeiser, wissenschaftlicher Mentor im Berta-Ottenstein-Programm: „Aufgrund klinischer Verpflichtungen hat man meist wenig Zeit, ein Forschungsteam zusammenstellen und innovative Forschungsansätze zu entwickeln.“

Die erste und vielleicht wichtigste Säule des Programms ist es daher, den jungen Ärzten die nötige Zeit dafür zu verschaffen. „Das Programm ist so gedacht, dass über einen Zeitraum von drei Jahren die Hälfte der Zeit für die Forschung zur Verfügung steht“, erklärt Programmkoordinatorin Dr. Irene Nagel-Jachmann. „Die Einteilung erfolgt individuell, sei es blockweise oder Tag für Tag. Wichtig ist, dass es unter dem Strich die Hälfte bleibt.“ Dabei wird vertraglich klar geregelt, wann der Assistenzarzt im Rahmen seiner Facharztweiterbildung in der Klinik eingeteilt ist und wann er Zeit für die eigene Forschung erhält.

„Das ist ein enormer Vorteil gegenüber allen anderen Maßnahmen, die es bisher gab – und aus meiner Sicht als Mentor würde ich sagen, dass es auch sehr gut funktioniert“, berichtet Zeiser. „Den entscheidenden Vorteil als Ärztin sehe ich darin, dass man nahe am Patientenbett ist und die klinischen Erkenntnisse direkt in die Wissenschaft und umgekehrt übertragen kann. Ich denke, dass viele medizinische Teilbereiche auf diesen Wissenstransfer angewiesen sind“, ergänzt Dr. Petya Apostolova, Teilnehmerin im Berta-Ottenstein-Programm.

Seminare, Retreat, Symposium

Begleitend zur dreijährigen Ausbildungszeit finden monatliche Seminare statt, in denen die Teilnehmer den Stand ihrer Arbeit vorstellen und die Möglichkeit haben, miteinander und mit den Mentoren darüber zu diskutieren. Einmal jährlich findet zudem ein von den Teilnehmern selbst organisiertes zweitägiges Retreat statt. Dort präsentieren sie ihren Forschungsstand und haben die Möglichkeit, untereinander sowie mit geladenen Expertinnen und Experten zu diskutieren – über ihre Arbeit, aber auch über für ihre Karriere relevante Themen wie Drittmitteleinwerbung oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Alle zwei Jahre kommt ein ebenfalls von den Teilnehmern organisiertes wissenschaftliches Symposium hinzu. „Gerade der Austausch mit den anderen Teilnehmern ist sehr bereichernd, zumal es eine gute Möglichkeit ist, sich als junger Wissenschaftler zu vernetzen“, sagt Apostolova. Darüber hinaus beinhaltet das Programm – ganz im Sinne des Berufsbilds Clinician Scientist – ausbildungsbegleitend Kurse und Workshops in den Bereichen medizinisch-wissenschaftliche Qualifizierung und Schlüsselqualifikationen. Beispiele sind Kurse zum Zeit- und Selbstmanagement, zu Biostatistik oder gutem experimentellem Design.

Voraussetzungen für Bewerber

 Wer sich für eine Teilnahme im Berta-Ottenstein-Programm bewerben möchte, sollte einen guten bis sehr guten Studienabschluss vorweisen, die Promotion mindestens mit „magna cum laude“ abgeschlossen haben, sich noch in der Facharztweiterbildung befinden und die Habilitationsreife noch nicht erlangt haben. Des Weiteren sollten Interessierte ihre wissenschaftliche Betätigung durch Publikationen nachweisen sowie eine fundierte und erfolgsversprechende Projektskizze vorweisen können. Empfohlen wird eine Bewerbung für das Programm aber erst nach dem ersten halben Jahr der Facharztweiterbildung, sodass die Bewerberinnen und Bewerber schon eine Grundlage in der klinischen Ausbildung erhalten haben.

„Die Teilnehmenden sind durchweg sehr motiviert und nutzen die verschiedenen Angebote des Programms“, berichtet Thimme. „Wir sehen mit Freude, wie sie sich als Forscher weiterentwickeln, ihre Projekte mit viel Elan vorantreiben und wichtige Kooperationen aufbauen.“

www.med.uni-freiburg.de/de/forschung/clinician-scientists-programm

Lars Kirchberg