Artikelaktionen

Sie sind hier: Startseite Promotionen Dr. med. / Dr. med. … Planung der Promotion

Planung der Promotion

Britt Schilling schmal1.png

Promotion ja oder nein?

Da in Deutschland eine Promotion zur Ausübung einer ärztlichen Tätigkeit nicht zwingend erforderlich ist, muss jeder Medizinstudierende für sich selbst entscheiden, ob eine Promotion in Frage kommt oder nicht. Zur Beantwortung dieser Frage sollten Sie folgende Aspekte berücksichtigen.

Eine Promotion wird in der Regel vorausgesetzt für:

  • eine wissenschaftliche Karriere in der Forschung
  • eine akademische Karriere an einer Uniklinik (z. B. das Anstreben einer Professur)
  • eine Leitungsposition an einer Klinik (z. B. Oberärztin/Oberarzt)

 

Darüber hinaus wird eine Promotion empfohlen für Studierende

  • mit Interesse an beliebten Fachbereichen mit hohem Bewerberdruck
  • mit Interesse an wissenschaftlichen Fragestellungen und kritischem Denken
  • die sich persönlich weiterentwickeln und einen Einblick in medizinische Forschung gewinnen möchten
  • die ihren Karrierewegen gegenüber noch offen stehen

 

Im Rahmen einer Promotion haben Sie die Möglichkeit, sich mit einem wissenschaftlichen Thema ausführlich auseinanderzusetzen und damit Ihre kritische Denkweise zu trainieren. Die Befähigung zu kritischem Denken spielt eine zentrale Rolle in jeglicher ärztlichen Tätigkeit. Das heißt, auch wenn Sie eine Niederlassung als Ärztin/Arzt oder eine Anstellung in einem kleineren Krankenhaus planen, können Sie von einer Promotion profitieren.

Formen von medizinischen Doktorarbeiten

Experimentell_Statistisch_Theoretisch_Farben1.png

 

ExperimentellKlinischStatistischTheoretisch
Beschreibung Bei experimentellen Arbeiten werden Daten im Labor experimentell (z. B. anhand von Zellkulturen oder Tierversuchen) erhoben und anschließend analysiert. Bei klinischen Studien werden Daten direkt an Patienten/Probanden erhoben und analysiert. Bei statistischen Arbeiten werden bereits vorliegenden Daten (z. B. aus Patientenakten) ausgewertet. Bei theoretischen Arbeiten werden Literaturstudien durchgeführt. Auf Basis bestehender Forschung werden neue Erkenntnisse gewonnen.
Besonderheit
  • Hoher Zeitaufwand aufgrund eigener Datenerhebung
  • eine Unterbrechung des Studiums  in der Regel notwendig
  • ggf. zeitliche Flexibilität notwendig (z. B. aufgrund der Verfügbarkeit von Zellkulturen)
  • Hoher Zeitaufwand aufgrund eigener Datenerhebung
  • ggf.  Unterbrechung des Studiums notwendig
  • ggf.  zeitliche Flexibilität. notwendig (z. B. aufgrund der Verfügbarkeit von Probanden)
  • Häufig geringerer Zeitaufwand
  • gut planbar
  • Eher geringer Zeitaufwand,
  • gut planbar
Fächer Vorklinische und klinische Fächer Hauptsächlich klinische Fächer Vorklinische und klinische Fächer Vorklinische und klinische Fächer

 

Welche Form der Doktorarbeit ist für mich geeignet?

Experimentell_Statistisch_Theoretisch_Farben.png

Welche Form der Doktorarbeit für Sie persönlich geeignet ist, hängt stark von Ihrer Motivation zur Promotion ab. Insbesondere für eine wissenschaftliche Karriere ist eine anspruchsvolle experimentelle Arbeit notwendig.  Für eine akademische Karriere an einer Uniklinik ist eine  experimentelle Arbeit oder anspruchsvolle klinische Studie dringend zu empfehlen. Für eine wissenschaftliche Karriere oder akademische Karriere an einer Uniklinik sollten außerdem 1-2 Freisemester für die Promotion in Betracht gezogen und eine Publikation der Arbeit angestrebt werden. Dies gilt ebenfalls, falls Sie einen Auslandsaufenthalt nach dem Studium planen. In vielen Ländern wird ein Dr. med. nicht als ausreichende wissenschaftliche Qualifizierung anerkannt. Dies erschwert den Zugang zu Stipendien und wissenschaftlichen Programmen im Ausland. Durch eine anspruchsvolle experimentelle oder klinische Studie, idealerweise mit einer Erstautoren-Publikation, kann die Äquivalenz nachgewiesen werden.

Sollten Sie keine wissenschaftliche oder akademische Karriere anstreben, hängt die Wahl der Form der Doktorarbeit vor allem von Ihrer Bereitschaft zur Promotion, Ihrem persönlichen Interesse an wissenschaftlichen Fragestellungen und Ihrer Geschicklichkeit ab. Unabhängig von ihren langfristigen Karriereplänen, bieten anspruchsvolle Promotionen die Möglichkeit, sich intensiv mit einem wissenschaftlichen Thema auseinanderzusetzen, eine kritische Einschätzung eigener und fremder Daten zu erlernen sowie einen Einblick in experimentelle und wissenschaftliche Methoden zu bekommen. All dies ist für jede ärztliche Tätigkeit von Vorteil.

Benotung von Doktorarbeiten

Angenommene Dissertationen werden durch zwei GutachterInnen nach folgenden Kriterien bewertet (siehe Promotionsordnung).

  • Die Befähigung des/der Doktoranden/in zur wissenschaftlichen Arbeit und zum kritischen Denken, einschließlich der Fähigkeit, aus durch Literaturstudium gewonnenen Erkenntnissen und vom Betreuer von der Betreuerin vermittelten methodischen Grundlagen selbständig Lösungswege für die vorgegebenen Probleme zu entwickeln.
  • Die Eignung der angewandten Methoden zur Gewinnung und kritischen Überprüfung von Daten und Informationen sowie zu ihrer Interpretation.
  • Das persönliche Engagement und die Aktivität, mit der die gestellte Aufgabe bewältigt wurde, die sinnvolle Arbeitsplanung und die sinnvolle Strukturierung des Aufgabenkomplexes sowie der termingerechte Abschluss der Arbeit.
  • Redaktionelle Aspekte der Dissertation: Länge und Proportionierung der Arbeit, Darstellung der Grundlagen, des Untersuchungsgutes, der Untersuchungsmethodik, der Ergebnisse (einschließlich Tabellen und Abbildungen) und der Literatur, Stil und Ausdruck.

 

PrädikatExperimentelle ArbeitenBeobachtungsstudienTheoretische Arbeiten
Einflussfaktoren, die studiert werden sollen, werden vom Untersucher selbst oder nach einem von ihm festgelegten Verfahren gesteuert (z. B. bei in-vitro Experimenten, Tierversuchen und randomisierten klinischen Studien)
Einflussfaktoren, die studiert werden sollen, werden nur festgestellt (beobachtet) (z. B. bei Fall-Kontroll-Studien oder Kohortenstudien) Es erfolgt keine eigene Datengewinnung

summa cum laude*

exzellent/mit Auszeichnung

Experimentelle Arbeiten mit neuen bedeutsamen wissenschaftlichen Erkenntnissen (Veröffentlichung in anerkannten wissenschaftlichen Zeitschriften, mit dem / der Doktoranden/in als Erstautor/in), die auf der Basis eines selbständig erarbeiteten Versuchsplanes und mit selbständig entwickelten Untersuchungsmethoden gewonnen worden sind und ein hohes Maß an Originalität aufweisen

Arbeiten, die zu bedeutsamen wissenschaftliche Erkenntnissen geführt haben (Veröffentlichung in „peer reviewd“ wissenschaftlichen Zeitschriften mit dem / der Doktoranden/in als Erstautor/in), mit neuen, originellen, über die Kriterien für magna cum laude hinausgehenden Untersuchungs- bzw. Beobachtungsmethoden, die von dem / der Doktoranden/in selbständig entwickelt und durchgeführt worden sind

Theoretische Arbeiten, die zu neuen bedeutsamen wissenschaftlichen Erkenntnissen (Veröffentlichung in anerkannten wissenschaftlichen Zeitschriften oder Buchreihen mit dem / der Doktoranden/in als Erstautor/in) geführt haben. Diese wurden durch einen neuen, originellen Denkansatz und ein komplexes theoretisches Modell ermöglicht, die der / die Doktorand/in selbst entwickelt und überzeugend dargestellt hat

magna cum laude

sehr gut

Experimentelle, methodisch schwierige Arbeiten, die zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen geführt haben (i. d. R. Annahme einer Veröffentlichung in einer „peer reviewed“ wissenschaftliche Zeitschrift), unter Einbeziehung neuer bzw. durch den / die Doktoranden/in modifizierter Methoden bei im Wesentlichen selbständiger Planung und Durchführung der Arbeiten

Anspruchsvolle Beobachtungsstudien, die zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen geführt haben (i. d. R. Annahme einer Veröffentlichung in einer „peer reviewed“ wissenschaftlichen Zeitschrift) und im Wesentlichen von dem / der Doktoranden/in selbständig geplant und durchgeführt worden sind

Theoretische Arbeiten, die gestützt auf eine umfassende Bearbeitung der Literatur und kritischer Analyse bestehender Daten und Auffassungen, zu einer vom / von der Doktoranden/in eigenständig entwickelten und überzeugend begründeten neuen wissenschaftlichen Erkenntnis oder Auffassung (i. d. R. Annahme einer Veröffentlichung in einer „peer reviewed“ wissenschaftlichen Zeitschrift) geführt haben

cum laude

gut

Experimentelle Arbeiten unter Einbeziehung verschiedener etablierter, schwieriger Methoden mit selbständiger Durchführung der Experimente, Arbeitsplanung und Strukturierung des Aufgabenkomplexes durch den / die Doktoranden/in

Selbständig durchgeführte Beobachtungsstudien mit klarer Fragestellung zur Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse

Arbeiten, die bei vorgegebener wissenschaftlicher Problematik ein deutliches Maß eigener Initiative des / der Doktoranden/in zur Entwicklung wissenschaftlicher Lösungswege erkennen lassen

Rite

genügend/ bestanden

Im Wesentlichen nachvollziehbare experimentelle Arbeiten unter Anleitung, mit etablierten Methoden

Beobachtungsstudien (z. B. „retrospektive Studien“)  ohne wesentliche neue Gesichtspunkte, Fallzusammenstellungen einfacher Art, Kasuistiken seltener Fälle

Theoretische Arbeiten einfachen, überwiegend referierenden Charakters

 

*Weitere Anforderungen zur Vergabe des Prädikats „summa cum laude“ können Sie der Promotionsordnung entnehmen.

 

Wie finde ich einen Betreuer/Thema?

Internet

Persönlich

  • Wenn Sie Interesse an einer bestimmten Fachrichtung haben, können Sie direkt bei möglichen BetreuerInnen anfragen. Nur weil kein Promotionsthema ausgeschrieben ist, heißt es nicht, dass es derzeit keine Möglichkeit zur Promotion gibt. Eine große Anzahl an Dissertationsprojekten wird tatsächlich über Initiativbewerbungen vergeben.
  • Sprechen Sie potentielle BetreuerInnen auf die Möglichkeit einer Hospitation an; auch kurze (wenige Tage) Hospitationen liefern einen ersten Eindruck zur Arbeitsatmosphäre, Betreuungssituation und wissenschaftlichem Umfeld. Viele BetreuerInnen sind auch bereit, Kontakt zu ehemaligen Doktorandinnen der Arbeitsgruppe zu vermitteln.

Tag der (zahn)medizinischen Promotionen

  • Beim jährlich angebotenen Tag der (zahn)medizinischen Promotionen im Frühjahr haben Sie die Möglichkeit, Promotionsthemen, BetreuerInnen sowie ehemalige und aktuelle DoktorandInnen kennenzulernen.

 

Generell ist eine gute Betreuung wichtiger als die thematische Zuordnung des Promotionsthemas. Um herauszufinden, ob ein Themengebiet für Sie geeignet ist empfehlen wir, in bereits abgeschlossenen Promotionen zu stöbern und mit ehemaligen DoktorandInnen dieses Fachbereichs zu sprechen. Abgeschlossene Dissertationen sind über die Universitätsbibliothek Freiburg und ggf. auch online über FreiDok erhältlich.

Was zeichnet gute Betreuung aus?

Bei der Suche nach einer geeigneten Betreuerin/einem geeignetem Betreuer sollten Sie folgende Fragen für sich zufriedenstellend beantworten können:

  • Hat die Person bereits erfolgreich Promotionen betreut?
  • Ist ein MitarbeiterInnenpool/Betreuung vor Ort? Wer ist direkter AnsprechpartnerIn? Dieser Aspekt ist besonders wichtig für experimentelle und klinische Doktorarbeiten, da hier die Teamarbeit besondere Bedeutung besitzt.  
  • Waren frühere DoktorandInnen zufrieden mit der Betreuung?
  • Gibt es regelmäßige Besprechungen? Gibt es ein regelmäßiges Seminar?
  • Hat die Arbeitsgruppe bereits Veröffentlichungen? Wie ist die Autorenschaft geregelt, d.h. werden MedizindoktorandInnen als ErstautorInnen genannt? Dies ist wichtig für die Bewertung der Promotion und eine spätere akademische/wissenschaftliche Tätigkeit.
  • Wie ist die berufliche Situation der Betreuerin/des Betreuers? Gibt es Pläne die Universität/Uniklinik zu verlassen?
  • Sind Drittmittel zur Unterstützung des Promotionsvorhabens vorhanden?
  • Wurde, falls nötig, der Ethik-/Tierversuchsantrag für die Arbeit bereits bewilligt.

Checkliste für das erste Gespräch mit dem Betreuer/der Betreuerin

  • Wie lautet die präzise Fragestellung der Arbeit?
  • Wer ist direkte/r AnsprechpartnerIn? Wie wird mit der/dem BetreuerIn kommuniziert?
  • Dauer der Promotion? Ist eine Freistellung vom Studium notwendig?
  • Arbeitszeiten: Wann ist das Labor/Geräte/Daten frei?
  • Abklärung von Faktoren von welchen die Arbeit abhängt
    • Ist die Methode etabliert?
    • Sind Zellen/Tiere/ProbandInnen bereits vorhanden oder müssen diese noch organisiert werden?
    • Ist die Arbeit von noch anderen ausstehenden Ergebnissen abhängig?
    • Wurde, falls nötig, ein Ethikvotum bereits eingeholt?
  • Welche Note wird angestrebt?
  • Publikation ja/nein? Wie ist die Autorenschaft geregelt?
  • Welche Literatur ist für den Einstieg zu empfehlen?

Was ist ein geeigneter Zeitplan für eine studienbegleitende Promotion?

Wir empfehlen, dass Sie sich frühzeitig nach Abschluss des Physikums um die Planung Ihres Promotionsvorhabens kümmern. Der folgende Zeitplan soll einen groben Rahmen für eine studienbegleitende Promotion geben. Dieser sollte aber je nach individuellen Zielen und Rahmenbedingungen (z. B. Planung eines Auslandssemesters) angepasst werden. Bitte beachten Sie, dass das Promotionsvorhaben zeitlich nie exakt geplant werden kann, da durch äußere Einflüsse Verzögerungen von mehreren Monaten auftreten können!

 5./6. Fachsemester

7./8.. Fachsemester

 9./10. Fachsemester

  • Praktischen Teil abschließen
  • Auswertung der Ergebnisse
  • ggf. Publikation vorbereiten (zusätzliche Zeiten für Revisionen müssen eingeplant werden, + 6-12 Monate)
  • Erstellen der Dissertationsschrift

 Bis Beginn PJ

 

Finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten

  • Das Promotionskolleg MOTI-VATE der Medizinischen Fakultät unterstützt jährlich zehn ausgewählte Studierende der Human- und Zahnmedizin bei der Durchführung einer experimentellen Doktorarbeit. Nähere Informationen zur Bewerbung finden Sie hier.
  • Eine Übersicht über weitere  Exzellenzprogramme, welche  medizinische Doktorarbeiten fördern ist auf der Website des Bundesministeriums für Bildung und Forschung abrufbar.
  • Einzelne BetreuerInnen verfügen über finanzielle Mittel, welche die Einstellung des Doktoranden als studentische Hilfskraft erlauben. Nähere Informationen erhalten Sie von Ihrer Betreuerin/ihrem Betreuer.

 

Studierende, welche über eine Finanzierung für ihre Promotion verfügen, können sich für eine ideelle Förderung durch das Promotionskolleg MOTI-VATE bewerben. Nähere Informationen zu dieser sogenannten Track II Bewerbung finden Sie auf der MOTI-VATE Website.

Weiterführende Literatur zur Planung des Promotionsvorhabens

Folgende Bücher sind über die Universitätsbibliothek erhältlich.

Budrich, B., Keller, D., Schmidt, L., 2018. Wie schreibe ich eine Doktorarbeit? Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-56786-9

Kühl, M., Brockmann, D., 2015. Mit Erfolg promovieren in den Life Sciences. Ein Leitfaden für Doktoranden, Betreuer und Universitäten. Eugen Ulmer KG.

Weiß, C., Bauer, A., W., 2015. Promotion, 4th ed. Thieme, Stuttgart.

 

Foto: Britt Schillling